Steifer, trockener, gereizter: Gelenkschmerzen in den Wechseljahren aus TCM-Sicht

Du wachst morgens auf und plötzlich tut die Hüfte weh. Die Knie fühlen sich steif an, die Finger schmerzen oder die Schulter macht Probleme. Und Du fragst Dich: Kann das tatsächlich mit den Wechseljahren zusammenhängen?

Ja, das kann sein. Gelenk- und Muskelschmerzen treten während der Wechseljahre häufig auf. Hormonelle Veränderungen können dabei eine wichtige Rolle spielen – aber auch Alter, Bewegungsmangel, Stress oder bereits bestehende Gelenkprobleme können beteiligt sein.

Wichtig ist deshalb: Nicht jeder Gelenkschmerz ist automatisch eine Wechseljahresbeschwerde. Genau hier lohnt sich ein genauer Blick.

Warum tun mir in den Wechseljahren plötzlich die Gelenke weh?

Während der Wechseljahre verändert sich der Hormonhaushalt deutlich. Besonders der Rückgang von Östrogen kann mit Veränderungen an Muskeln, Gelenken und Sehnen zusammenhängen. Gleichzeitig verändern sich häufig Schlaf, Stressverarbeitung und Regeneration – alles Faktoren, die beeinflussen können, wie wir Schmerzen wahrnehmen und wie belastbar wir uns fühlen.

Auch die aktuelle medizinische Leitlinie zur Peri- und Postmenopause berücksichtigt neu auftretende, unspezifische Gelenkbeschwerden als mögliche Begleiterscheinung dieser Lebensphase.

Was fehlt bei Gelenkschmerzen in den Wechseljahren?

Die kurze Antwort lautet: Es gibt nicht den einen Stoff, der bei allen Frauen „fehlt".

Manchmal werden beispielsweise Vitamin D, Calcium oder andere Nährstoffe als mögliche Ursache vermutet. Sinnvoller ist es jedoch, nicht einfach auf Verdacht Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, sondern die individuelle Situation anzuschauen.

Auch aus Sicht der TCM gibt es nicht den einen Grund für Gelenkschmerzen. Entscheidend ist vielmehr, welches Muster hinter Deinen Beschwerden steht.

Wechseljahre und Hüftschmerzen – warum gerade die Hüfte?

Hüftschmerzen können während der Wechseljahre verschiedene Ursachen haben – von muskulären Verspannungen über Veränderungen an Gelenken und Sehnen bis hin zu Verschleißerscheinungen.

In der TCM schaue ich deshalb nicht nur auf die schmerzende Hüfte. Mich interessiert zum Beispiel:

  • Ist der Schmerz eher stechend, dumpf oder ziehend?
  • Wird er durch Bewegung besser oder schlechter?
  • Reagiert er auf Wärme oder Kälte?
  • Fühlst Du Dich insgesamt erschöpft?
  • Wie schläfst Du?
  • Gibt es weitere Beschwerden wie Hitzewallungen, innere Unruhe oder Verspannungen?

Denn zwei Frauen können an derselben Stelle Schmerzen haben und trotzdem eine ganz unterschiedliche TCM-Diagnose bekommen.

Was sagt die TCM zu Gelenkschmerzen in den Wechseljahren?

Aus Sicht der TCM sind die Wechseljahre Teil eines natürlichen Alterungsprozesses. Im Mittelpunkt steht dabei die Nierenessenz (Jing): Sie bildet die Grundlage für Wachstum, Entwicklung und Fruchtbarkeit. Im Laufe des Lebens nimmt sie allmählich ab – und mit ihr auch das Nieren-Qi. In der Zeit um die Menopause wird dieser Prozess besonders deutlich.

Dazu kommt bei Frauen ein weiterer wichtiger Aspekt: Blut spielt während des gesamten fruchtbaren Lebens eine zentrale Rolle. Jeden Monat wird Blut für die Menstruation benötigt. Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit beanspruchen zusätzlich Blut und Essenz. Über viele Jahre kann dadurch ein Blutmangel entstehen oder sich verstärken – insbesondere dann, wenn der Körper nicht ausreichend nachbilden kann. Eine nährstoffarme oder unregelmäßige Ernährung, zu wenig Schlaf und anhaltender Stress können diese Neubildung aus Sicht der TCM zusätzlich beeinträchtigen.

Wenn die Menstruation in den Wechseljahren ausbleibt, endet zwar der regelmäßige Blutverlust. Eine über die Jahre entstandene Schwäche von Blut, Yin oder Essenz verschwindet dadurch aber nicht automatisch.

Warum Blut für Muskeln und Sehnen so wichtig ist

In der TCM hat Blut (Xue) eine umfassendere Bedeutung als das Blutbild in der westlichen Medizin. Es nährt und befeuchtet den Körper.

Dabei spielt die Leber eine wichtige Rolle: Sie speichert das Blut und „regiert" die Sehnen. Sind Muskeln, Sehnen und Bänder ausreichend durch Blut genährt, können sie aus Sicht der TCM geschmeidig und beweglich bleiben. Bei einem Blutmangel können dagegen Steifigkeit, Spannungsgefühle, Muskel- und Sehnenbeschwerden oder eine schlechtere Regeneration auftreten.

Auch Yin und Blut hängen eng zusammen. Yin steht für die nährende, kühlende und befeuchtende Seite des Körpers und nimmt ebenfalls im Laufe des Lebens ab. Ein stärkerer Yin-Mangel kann sich in den Wechseljahren beispielsweise durch Trockenheit, Schlafprobleme, Hitzewallungen oder nächtliches Schwitzen bemerkbar machen.

Hinzu kommen weitere mögliche Faktoren: Stress und Anspannung können den freien Fluss des Leber-Qi beeinträchtigen. Kälte und Feuchtigkeit können aus Sicht der TCM Schmerzen und Steifigkeit verstärken.

Bei Gelenkschmerzen in den Wechseljahren schaue ich deshalb besonders darauf, ob ein Mangel an Blut und Yin, eine Schwäche der Nierenenergie, eine Stagnation oder Kälte und Feuchtigkeit im Vordergrund stehen. Häufig ist es auch eine Kombination.

Wie kann Akupunktur bei Gelenkschmerzen in den Wechseljahren unterstützen?

Bei der Akupunktur behandle ich nicht einfach nur das schmerzende Gelenk. Die Auswahl der Punkte richtet sich nach Deiner persönlichen TCM-Diagnose.

Steht beispielsweise ein Blut- oder Yin-Mangel im Vordergrund, kann die Behandlung darauf ausgerichtet sein, den Körper zu nähren und die Versorgung von Muskeln und Sehnen aus Sicht der TCM zu unterstützen. Bei einer Qi- oder Blut-Stagnation geht es eher darum, den freien Fluss wieder in Bewegung zu bringen. Bei Kälte oder Feuchtigkeit ist wiederum ein anderer Behandlungsansatz sinnvoll.

Dabei können sowohl Punkte in der Nähe des schmerzenden Bereichs als auch weiter entfernte Punkte eingesetzt werden.

Genau diese individuelle Kombination ist für mich entscheidend: Ich behandle nicht nur das Symptom „Hüftschmerz" oder „Knieschmerz", sondern schaue darauf, was Dein Körper insgesamt gerade braucht.

Akupunktur ist bei verschiedenen Schmerzformen gut untersucht. Für Gelenkschmerzen speziell im Zusammenhang mit den Wechseljahren ist die Studienlage allerdings weniger eindeutig. Deshalb möchte ich Dir kein bestimmtes Ergebnis versprechen. Die Behandlung wird individuell abgestimmt und wir schauen gemeinsam, wie sich Deine Beschwerden entwickeln.

Was kannst Du selbst tun?

Gerade wenn Gelenke schmerzen, bewegt man sich schnell weniger. Dadurch wird die Muskulatur schwächer – und bestimmte Bewegungen können noch unangenehmer werden.

Besonders wichtig finde ich in den Wechseljahren das Krafttraining. Mit zunehmendem Alter nimmt Muskelmasse leichter ab. Gezieltes Krafttraining hilft, Muskulatur zu erhalten und aufzubauen, und unterstützt Knochen, Stabilität und Belastbarkeit.

Auch bei Gelenkschmerzen erlebe ich in meiner Praxis immer wieder, dass ein gut aufgebautes Krafttraining mittel- bis langfristig sehr hilfreich sein kann. Nicht unbedingt, weil die Schmerzen sofort verschwinden, sondern weil der Körper belastbarer wird und eine kräftigere Muskulatur die Gelenke und Bewegungsabläufe besser unterstützen kann.

Das Training sollte natürlich zu Deinem aktuellen Zustand passen. Ergänzend sind Spaziergänge, Radfahren, Schwimmen oder ruhigere Bewegungsformen wie Qigong gute Möglichkeiten.

Regelmäßige Bewegung, gezielter Muskelaufbau und ausreichend Erholung sind gerade in den Wechseljahren eine gute Kombination.

Ernährung: Auch das Blut braucht Nahrung

Wenn in der TCM ein Blutmangel eine Rolle spielt, ist auch die Ernährung wichtig. Denn aus Sicht der TCM wird Blut unter anderem aus der Nahrung aufgebaut.

Die Grundlage sind regelmäßige, nährstoffreiche Mahlzeiten und ausreichend Eiweiß. Je nach individueller Situation können beispielsweise Gemüse – insbesondere grünes Blattgemüse –, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Eier, Nüsse und Samen sowie, wenn Du sie isst, Fisch und Fleisch sinnvoll sein. Auch rote Bete wird in diesem Zusammenhang gerne eingesetzt.

Aus Sicht der TCM sind häufig warme, frisch gekochte und gut bekömmliche Mahlzeiten sinnvoll. Gerade bei einem Blutmangel geht es darum, den Körper ausreichend zu nähren, statt ihn durch eine sehr restriktive Ernährung zusätzlich zu schwächen.

Welche Ernährung für Dich am besten passt, hängt auch hier von Deinem individuellen TCM-Befund ab.

Wechseljahre oder Rheuma – wann solltest Du Gelenkschmerzen abklären lassen?

Nicht jede neue Gelenkbeschwerde sollte den Wechseljahren zugeschrieben werden.

Wenn ein Gelenk deutlich geschwollen, gerötet oder überwärmt ist, wenn starke oder länger anhaltende Morgensteifigkeit auftritt oder mehrere Gelenke gleichzeitig neu betroffen sind, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Das gilt auch, wenn die Schmerzen sehr stark sind, sich schnell verschlimmern oder dauerhaft bestehen bleiben.

TCM und Akupunktur können eine sinnvolle Ergänzung sein – sie ersetzen aber keine notwendige ärztliche Diagnostik.

Gehen Gelenkschmerzen nach den Wechseljahren wieder weg?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten.

Bei manchen Frauen verbessern sich die Beschwerden mit der Zeit. Bei anderen bleiben sie bestehen oder haben zusätzlich eine andere Ursache.

Deshalb würde ich nicht einfach darauf warten, dass die Schmerzen irgendwann von selbst verschwinden. Wenn sie Dich im Alltag einschränken, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Übernimmt die Krankenkasse die Akupunktur?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen Akupunktur als Regelleistung nur bei bestimmten chronischen Schmerzen – insbesondere der Lendenwirbelsäule und bei Kniearthrose. Gelenkschmerzen im Zusammenhang mit den Wechseljahren gehören nicht dazu.

Meine Behandlung als Heilpraktikerin wird von den gesetzlichen Krankenkassen daher grundsätzlich nicht übernommen. Bei privaten Kranken- oder Zusatzversicherungen kann eine Erstattung je nach Tarif möglich sein.

Dein nächster Schritt

Gelenkschmerzen gehören für mich nicht einfach zum „normalen Älterwerden".

Die Wechseljahre verändern Deinen Körper – aber sie bedeuten nicht, dass Du Dich mit jedem neuen Schmerz abfinden musst.

Wenn Du Fragen hast oder einfach einmal in Ruhe schildern möchtest, was Dich gerade beschäftigt, ruf mich einfach an. Ich nehme mir Zeit für Dich.

Und wenn Du merkst, dass Du Dir eine persönliche Begleitung wünschst:

JETZT ERSTTERMIN VEREINBAREN →

Weiter
Weiter

Es ist nicht nur das Östrogen: Schlaf in den Wechseljahren aus TCM-Sicht